Luzerne und Alfalfa

Luzerne & Alfalfa - Medicago sativa

Fressbarkeit der Bestandteile und Sammelzeit

Die Luzerne ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), die bis zu 1 m hoch wird und ein bis zu 4,5 m weites Wurzelwerk entwickelt. Durch ihre gefingerten Blätter wird sie gern mit Klee verwechselt.
In Europa wird die Luzerne als Nutzpflanze angebaut, findet sich jedoch auch wild an Wegrändern, auf frischen Brachen, in Trockenwiesen und im Halbtrockenrasen. Als Boden bevorzugt sie nur mäßig nährstoff- und humusreiche, leicht kalkige Böden mit Lehm und Löss.
Die Luzerne blüht von Juni bis September in leicht rosa Blüten.

Die krautigen Teile der Luzerne sind verglichen mit vielen anderen Pflanzen sehr proteinreich. Sie sind für Nager unproblematisch und bilden einen wertvollen Teil des Frischfutters. Wichtig: Diese Teile der Luzerne enthalten Phytoöstrogene. Sie sollten also nicht regelmäßig große Mengen verfüttern. Tieren mit hormoninduzierten Tumoren oder anderen hormonabhängigen Erkrankungen sollten Sie Luzerne nicht anbieten.

Die Blüte der Luzerne können Sie analog zum Kraut verfüttern.

Die Fütterung der getrockneten Saat an Mäuse ist wegen ihres Canavaningehaltes umstritten. Canavanin ist eine nicht proteinogene, toxische Aminosäure. Zwar produziert sie beim Verzehr keine akuten Vergiftungserscheinungen. Jedoch kann Canavanin wegen seiner Ähnlichkeit zu Arginin bei der Proteinsynthese statt diesem irrtümlich eingebaut werden. Es entstehen dann nicht voll funktionsfähige Proteine oder sogar komplett unbrauchbare Nonsensproteine. Das kann verschiedene Probleme auslösen. So wird die Haut von Kühen bei verstärkter Fütterung empfindlicher gegen Sonnenlicht. Beim Menschen können Symptome eines systemischen Lupus erythematodes entstehen. Welche Auswirkungen das Canavanin bei Mäusen hat, konnte ich leider nicht herausfinden. Von einer (regelmäßigen) Fütterung würde ich daher absehen.

Über den Futterwert der Wurzel konnte ich leider keine Informationen finden.

Alfafa ist in der Menschenküche ein beliebtes Sprossengemüse. Das dürfen Sie gern mit Ihren Mäusen und anderen Nagern teilen. Lassen Sie die Saat nach dem ersten Erscheinen des Keims einfach mindestens 1 Woche aufkeimen. Dann hat der Sämling das enthaltene Canavanin aufgebraucht und das Keimfutter ist unbedenklich.

Fütterungsempfehlungen

Inhaltsstoffe und Nährwerte

Die Luzerne ist als Frischfutter eine außergewöhnlich proteinreiche Pflanze. Das hat den Vorteil, dass sie hilft, den Proteinbedarf Ihrer Tiere zu einem gewissen Grad zu decken. Tierisches Protein ersetzt sie jedoch bei Tieren mit Insekten- und/oder Fleischanteil in der natürlichen Ernährung nicht.
Der hohe Proteinanteil sorgt aber auch dafür, dass Calcium schlechter aufgenommen werden kann. Der für ein frisches Kraut recht hohe Calciumgehalt relativiert sich dadurch wieder.

Enthalten sind außerdem unter anderem die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Es empfiehlt sich daher eine Fettquelle im Futter mit anzubieten, damit der Organismus diese besser aufnehmen kann. Die Luzerne selbst liefert dafür zu wenig Fett.

Außerdem enthält die Luzerne:

  • Peptide und Aminosäuren (darunter auch L-Canavanin)
  • Flavonoide (Glykoside von Apigenin und Luteolin)
  • Isoflavonoide (u. a. Genistein)
  • organische Säuren
  • Saponine (Glykoside von Hederagenin, Medicagensäure und Sojasapogenole)
  • Steroide (hauptsächlich β-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol u. a.)
  • Cumarine (Medicagol)
  • Coumestrol
  • Stachydrin

Angaben pro 100g Kraut

Angaben pro 100g Sprossen

Medizinische Wirkung

Für die medizinische Wirkung der Luzerne gibt es nur wenige Studien, die sich vor allem mit ihrer positiven Wirkung bei erhöhten Cholesterinwerten und Wechseljahresbeschwerden beschäftigen. Bei diesen Einsatzgebieten hat sie in der Erfahrungsheilkunde bereits einen festen Platz. Auch bei der Behandlung der Arteriosklerose sehen Mediziner Potenzial. Zudem ist Luzerne harntreibend. Ein ausgleichender Effekt auf den Säure-Base-Haushalt wird ihr ebenfalls nachgesagt.

Wichtig: Die medizinischen Wirkungen sind mit Inhaltsstoffen der Pflanze assoziiert, die isoliert untersucht wurden oder für die die Alfalfasaat speziell behandelt wurde. Die Fütterung von Luzerne, die als normales Futtermittel angeboten wird, kann also kaum die oben genannten Effekte in spürbarem Ausmaß entfalten.

Kontraindikationen und Giftwirkung

Der Verzehr großer Mengen an Samen der Luzerne kann beim Menschen Symptome ähnlich eines systemischen Lupus erythematodes hervorrufen sowie eine Pancytopenie, eine temporäre Form der Blutarmut. Bei Kühen macht die Saat die Haut lichtempfindlicher. Für Mäuse und andere kleine Nager konnte ich leider keine Angaben über mögliche Nebenwirkungen finden.
Bei den Sprossen ist vor allem ihre Anfälligkeit für Bakterienbesiedelung – unter anderem mit verschiedenen E.-coli-Stämmen und Salmonellen – problematisch. Kaufen Sie daher für Ihre Tiere besser keine vorgezogenen Sprossen und lassen Sie selbst bei der Sprossenzucht äußerste Hygiene walten.
Luzerne ist nicht giftig. Ihre Saat kann durch Verfüttern größerer Mengen über längere Zeit jedoch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Sie haben Erfahrungen mit diesem Futtermittel bei einer hier nicht aufgeführten Art? Helfen Sie uns, die Datenbank verlässlicher zu machen und schreiben Sie uns eine Mail an info@das-maeuseasyl.de, wie Ihre Tiere das Futtermittel akzeptieren und vertragen und in welchen Mengen Sie es verfüttern.