Tyzzer’s Disease

Tyzzer’s Disease ist eine bakterielle Erkrankung, die vor allem bei Jungtieren im Absetzalter schwere Durchfälle verursachen und daher schnell tödlich verlaufen kann. Insgesamt ist “Tyzzer” eher selten. Vermehrt tritt die Erkrankung meiner Erfahrung aber bei Mongolischen Rennmäusen und bei Hamstern auf. Farbmäuse sind dagegen fast nie betroffen.

Ursachen für Tyzzer's Disease

Tyzzer’s Diseae ist eine bakterielle Erkrankung, die von Clostridium piliforme (früher Bacillus piliformis) hervorgerufen wird. C. piliforme ist ein sporenbildendes, gramnegatives, begeißeltes, obligat intrazelluläres Stäbchenbakterium, das sich vor allem in (noch) lebenden Leberzellen am Randbereich der von ihm verursachten Lebernekrosen ansiedelt. Bei C. piliforme gibt es Hinweise auf wirtsspezifische Stämme. Gesicherte Informationen habe ich dazu allerdings nicht gefunden.
Einen Ausbruch der Krankheit begünstigen vor allem interne und externe Stressoren. So sind Jungtiere im Absetzalter und säugende Weibchen besonders gefährdet. Auch Klimaveränderungen, Überbelegung von Gehegen, sozialer Stress und ähnliche Faktoren fördern eine Symptomausbildung. Auch immunsupprimierte Tiere sind stark gefährdet.

Ursachen im Überblick
Begünstigende Faktoren

Übertragung von Tyzzer's Disease

Träger des Keims belasten die Umgebung mit den sehr widerstandsfähigen Sporen, die unter normalen, mitteleuropäischen Umweltbedingungen mehr als ein Jahr infektiös bleiben. Eine Ansteckung erfolgt also in der Regel über kontaminierte Streu, Einrichtungsgegenstände oder verschmutztes Futter. Eine Ansteckung kann aber auch direkt fäkal-oral erfolgen.
Da C. piliforme nicht grundsätzlich wirtsspezifisch ist, besteht zudem die Gefahr der Verschleppung – v. a. innerhalb eines Haushaltes – an andere Tiere. Auch kann der Keim von anderen Nagern auf Ihre Mäuse übertragen werden.
C. piliforme gilt nicht generell als zoonotisch. Es gibt allerdings Berichte, dass die Keime  auf immunsuppremierte Menschen übergehen können.

Die Empfänglichkeit für den Keim scheint innerhalb einer Art von Familie zu Familie zu variieren. Die Ursache dafür wird in Zellen des Immunsystems vermutet.
Auch der Stamm des Clostridiums spielt eine Rolle. So gibt es Stämme, die Toxine produzieren, und solche, die das nicht tun. Erste sind generell virulenter und schädigen zudem die Leber stärker.

Übertragung im Überblick

Symptome von Tyzzers Disease

Eine Infektion mit C. piliforme verläuft bei immunkompetenten, nicht stark gestressten Mäusen in der Regel symptomlos und heilt unbemerkt innerhalb weniger Wochen wieder aus. Erst wenn Stress oder kritische Lebensphasen wie die Entwöhnung der Jungtiere hinzutreten, kommt das Symptombild von Tyzzer’s Disease zum Tragen. Dann kann die Infektion akut oder verzögert verlaufen.

Beim akuten Verlauf entwickeln die kleinen Patienten oft – aber nicht nimmer – massive, wässrige Durchfälle, trocknen aus, fressen schlecht oder gar nicht mehr und werden schnell apathisch. Ratten zeigen zudem öfter einen aufgetriebenen Bauch. Beim Gros der Fälle mit diesem Verlauf versterben die Nager innerhalb von 24 bis 72h.

Bei der verzögerten Verlaufsform leiten sich die Symptome vor allem von der fortschreitenden Leberschädigung ab. Die betroffenen Mäuse zeigen dann ein verschlechtertes Allgemeinbefinden und eine schlechtere Kondition. Das Fell wirkt struppig, die Tiere fressen weniger, kötteln weniger und verlieren sichtbar an Gewicht. Auch bei dieser Form versterben viele der Patienten, noch bevor die Diagnose überhaupt feststeht.

Nach Aufnahme der Sporen beginnt die Infektion im unteren Verdauungstrakt und breitet sich dann über das Blut oder die Lymphe in die Leber und das Herz aus. Wandert der Erreger ins zentrale Nervensystem, verursacht er hier eine Enzephalitis, die sich unter anderem mit Gleichgewichtsstörungen und Schiefkopf äußert.

Symptome im Überblick

Diagnose von Tyzzer's Disease

Am lebenden Tier lässt sich nur über einen PCR-Test feststellen, ob eine Maus Sporen von C. piliforme ausscheidet. Für den Test wird eine einfache Kotprobe benötigt. Eine Sammelkotprobe ist nicht notwendig. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass der Patient verstorben ist, bis das Laborergebnis vorliegt. Da Mäuse in der Regel nicht einzeln gehalten werden, ist das Ergebnis jedoch für Artgenossen der Gruppe und andere im Haushalt lebende Tiere wichtig.

Der Erreger ist auf lebende Zellen für seinen Lebenszyklus angewiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Keimen lässt sich C. piliforme deshalb nicht auf künstlichen Nährböden anzüchten. Bei einer üblichen bakteriologischen Untersuchung kann es deshalb zu falsch-negativen Befunden kommen. Im Labor kann das Clostridium nur in bebrüteten Hühnereiern oder Zellkulturen von Säugetieren angezüchtet werden.

Häufiger ist der Nachweis von Tyzzer’s Disease durch eine Sektion eines verstorbenen Nagers. Makroskopisch lassen sich Ulzerationen, Ödeme und Blutungen im Darm – besonders im Ileum, Caecum und Colon – erkennen. Bei Ratten kann auch das Ileum sichtbar vergrößert sein. Vergrößerung und Abszesse der umliegenden Lymphknoten um den Darm sind möglich. Die Leber ist stark vergrößert und durch nekrotische Herde fleckig. Ist das Herz betroffen, lassen  sich bei der Sektion helle Streifen oder Bereiche im Myokard oder Epikard erkennen.

Mikroskopisch lassen sich die Keime im Zytoplasma noch lebender Leberzellen nachweisen. Diese lassen sich gut mit der Giemsa-Färbung oder  Versilberung anfärben, sind aber schlecht in der HE-Färbung erkennbar.

Mögliche Differentialdiagnosen sind alle Erkrankungen die schwere Durchfälle, Leberentzündungen und/oder neurologische Symptome verursachen. Dazu zählen Parasitosen wie Giardiarsis, bakterieller Befall anderer Art (z. B. Salmonellen) oder Viren (z. B. Rota-Viren).

Möglichkeiten der Diagnose
Typische Ergebnisse der Anamnese:
Weitere Untersuchungen:
Differentialdiagnosen:
Sektion bei Verdacht ratsam!
Bei Verdacht auf Tyzzer ist eine Sektion in jedem Fall ratsam, um den restlichen Bestand zu schützen oder als Pflegestelle die abgebende Stelle (soweit die Keime rückverfolgbar sind) und Übernehmer möglicherweise infizierter Tiere informieren zu können.

Behandlung von Tyzzer's Disease

Die Behandlung klinisch erkrankter Tiere ist vor allem bei der akuten Form durch den rasanten Verlauf schwierig. Deshalb gibt es bis heute keine erfolgreiche Standardbehandlung. Am erfolgversprechendsten scheint der Versuch einer Antibiose mit Tetracyclin. Zum Teil spricht der Keim wohl auch auf Streptomycin, Erythromycin, Penicillin und Chlortetracyclin an. Resistenzen sind gegen Sulfonamide und Chloramphenicol bekannt.
Aufgrund des rapiden Fortschritts der Erkrankung sollte das Antibiotikum in jedem Fall gespritzt werden, um eine möglichst schnellen und guten Effekt zu erreichen.

Symptomatische Behandlung bei aktuem Verlauf

Bei schweren Durchfällen muss der Patient außerdem symptomatisch behandelt werden, um den massiven, Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Substanzverlust auszugleichen. Dafür eignen sich Elektrolyt- und Glucoselösungen sowie Jecuplex, das auch freie Aminosäuren und B-Vitamine mitbringt. Um die Durchfälle zu bremsen, kann eine Therapie mit Dysticum versucht werden, die sich bei gespritztem Antibiotikum auch mit der Antibiose problemlos verträgt. Dafür rühren Sie Dysticum 1:2 mit Naturjoghurt an und verabreichen dem Patienten davon mehrmals täglich, soviel dieser Ihnen abnimmt.
Außerdem sollten Sie die Patienten extern wärmen, da die Tiere durch den massiven Masse- und Nährstoffverlust schnell auskühlen.

Umgebungsbehandlung bei Tyzzer's Disease

Das eigentliche Bakterium ist sehr empfindlich und außerhalb seiner Wirtszelle nicht überlebensfähig. Seine Sporen sind dagegen extrem resistent und langlebig und überstehen auch die Reinigung mit diversen Desinfektionsmitteln. Schlecht zu reinigendes Inventar – etwa aus Holz, Kork oder Kokosnüssen – müssen Sie deshalb entsorgen.

Die Sporen können in der Umgebung mehr als ein Jahr infektionsfähig bleiben und überstehen Temperaturen von bis zu 60°C über 30min. Auch 70%iger Alkohol, 3%iges Chlorkresol, 4%iges Chlorhexidin und 0,037%iges Formaldehyd können die Sporen nicht zerstören. Empfindlich reagieren C.-piliforme-Sporen dagegen auf 1%iges Iodophor, 5%iges Phenol, 0,3%iges Natriumhypochlorid und 0,4%ige Peressigsäure. Auch Formalin und Chlordioxid eignen sich zur Desinfektion.

Dauerquarantäne bei Tyzzer

Ist ein Tier einer Gruppe nachweislich an Tyzzer erkrankt, müssen Sie die gesamte Gruppe behandeln. So beugen Sie einem Ausbruch bei weiteren Gruppenmitgliedern vor. Allerdings lässt sich der Erreger auch mit längerer Antibiose nicht unbedingt aus dem Bestand eliminieren. Zeigt ein Nachtest, dass die Nager Ausscheider bleiben, dürfen sie nicht in gesunde Bestände eingegliedert werden. Die Gruppe sollten Sie dann in Dauerquarantäne nehmen und aussterben lassen.
Findet nach einem Auftreten von Tyzzer’s Disease kein Nachtest statt, sollten Sie die Gruppe in jedem Fall wie Ausscheider behandeln und in Dauerquarantäne nehmen.

Behandlungsmöglichkeiten
Bewährte Mittel und Medikamente

Der Tyzzer'schen Krankheit bei Mäusen vorbeugen

Die beste Vorbeugung gegen eine manifeste Erkrankung ist die Vermeidung der Infektion – also die Vermeidung eines Kontaktes zu (potenziellen) Trägern. Da Tyzzer auch symptomlos verlaufen kann, ist das nur bedingt möglich.
Bei Trägern sollten Sie die Haltungsbedingungen und Fütterung optimieren und den Stresslevel niedrig halten, um so einen akuten Ausbruch der Infektion zu vermeiden.

Vorbeugende Maßnahmen im Überblick
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Tyzzersche Krankheit – LMU (PDF)
Charles River Laboratories – Tyzzer’s Disease Technical Sheet (PDF)
MSD Manual – Tyzzer
MicroBeWiki – Tyzzer

Ewringmann, Anja; Glöckner; Barbara: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; 1. Auflage, Enke 2008, S. 61

Letztes Update: 23.08.2020