Rückführung von Mäusen und Ratten

Als unselbständige Babys gelten bei Mäusen und Ratten Tiere mit geschlossenen oder gerade erst geöffneten Augen. Sie brauchen ihre Mutter noch. Die beste Überlebenschance haben sie mit ihr. Deshalb sollte die Rückführung das oberste Gebot sein – soweit sie möglich ist. Wann Sie dem Reflex, das hilflose Baby mitzunehmen, widerstehen sollten und wann es wirklich Ihre Hilfe braucht, können Sie hier nachlesen.

Mäusekind allein auf weiter Flur?

Weibliche Ratten und Mäuse sind sehr engagierte, leidenschaftliche Mütter – aber eben auch nicht perfekt. Kriegen sie einen Schreck – etwa weil sie gestört werden – verlassen sie in diesem Moment fluchtartig das Nest. Als Parademamas kommen sie aber auch zurück – entweder, um das Nest wieder zu nutzen oder um die Kinder abzuholen und in ein neues, für sicher befundenes Nest zu bringen. Manchmal verlieren sie auch beim Umzug oder auf der Flucht eines oder mehrere Kinder. Die suchen sie in der Regel, sobald sie eine Möglichkeit sehen, weil die immanente Gefahr vorüber ist. Die scheinbar verwaisten Babys, die Sie finden, werden also vielleicht schon bald gesucht und schmerzlich vermisst. Hier setzt dann die Rückführung an.

Wann ist eine Rückführung sinnvoll?

Wichtig: Die nachfolgenden Punkte sollten alle erfüllt sein, damit eine Rückführung Aussicht auf Erfolg hat.

Ein Mäuse- oder Rattenbaby hat dann bei Mama die besten Chancen, wenn es gesund und gut versorgt, also in einem guten Allgemeinzustand ist. Das heißt, es wohlgenährt und der Schwanz lässt keine Wirbelkörper erkennen oder sieht gar aus wie eine Perlenschnur. Wenn Sie mit der Haut eine Falte nach oben ziehen, sollte diese außerdem sofort wieder verschwinden. Gerade Babys mit noch geschlossenen Augen und bereits wachsendem Fell dürfen auch gern etwas speckig wirken.
Wenn das Baby von einem anderen Tier gefunden und gebracht oder bei Arbeiten entdeckt wurde, sollten Sie prüfen, ob es nicht von Krallen, Zähnen, Werkzeug oder anderen Gegenständen verletzt ist. Insbesondere wenn Katzen kleine Mäuse und Ratten anbringen, bedürfen die schon bei winzigsten Verletzungen medizinischer Versorgung.
Dasselbe gilt bei starkem Befall von Ektoparasiten. Dann braucht das Baby Hilfe vom Menschen. Ein einzelner Floh oder Ähnliches sprechen dagegen nicht gegen eine Rückführung.

Damit die Mutter es auch findet, sollten Sie das Baby ins Nest oder in die unmittelbare Nähe legen können. Der Fundort muss Ihnen also zum einen sehr genau bekannt sein und sich zum anderen auch dafür eignen, das Baby dort für eine Rückführung abzulegen, also sicher und geschützt sind. Welche Orte sich nicht eignen, erfahren Sie im nachfolgenden Kapitel.

Ich hab das Baby angefasst ....
… ist da eine Rückführung überhaupt noch möglich? Ja, das ist möglich. Viele Mäuse- und Rattenmütter erkennen ihre Kinder und nehmen sie trotz Menschengeruch wieder an. Unnötige Berührungen sollten Sie trotzdem vermeiden.

Wann ist eine Rückführung ausgeschlossen?

Die Rückführung schließen nur 2 Gründe aus: die Gesundheit des Findlings und der (unpassende) Fundort.

Wenn Ihr Findling von einer Katze oder auch einem Hund gebracht wurde, braucht er tierärztliche Versorgung und Antibiotika gegen eine mögliche Pasteurelleninfektion. Diese Bakterien, die vor allem im Maul von Katzen reichlich vorkommen, dringen schon durch unsichtbare Mikroverletzungen in den Körper ein und können eine tödliche Sepsis auslösen.
Ebenfalls hilfsbedürftig sind anderweitig verletzte, schwache, stark untergewichtige oder gar kalte Mäuse- und Rattenkinder. Sie haben auch mit ihrer Mutter keine Überlebenschance.
Eine Rückführung ist außerdem natürlich dann ausgeschlossen, wenn das Muttertier nachweislich tot ist.

Mitunter macht auch der Fundort eine Rückführung unmöglich. Straßen, Gehwege, Hofeinfahren und andere Plätze ohne Deckung sind ungeeignet, da die Mäusemutter ihre Kinder nicht auf großen, offenen und viel begangenen/ befahrenen Flächen abholt. Auch wenn das Mäusekind ein schnelles Opfer von Vögeln, Kleinräubern oder Katzen werden würde, ist ein Rückführungsversuch nicht sinnvoll.

Rückführung Schritt für Schritt - Eine Anleitung

Sie brauchen:

  • Kiste oder Karton
  • alte Handtücher, Zewa o. ä. + Nestteile vom Fundnest (soweit vorhanden)
  • Wärmequelle mit etwa 37-39°C (Snuggle Safe, Wärmflasche, mit warmem Wasser gefüllte/-r/-s Schraubglas, PET-Flasche, Gummihandschuh, …)

Mäusekind(er) auf die Wärmequelle

  • Mäusekinder auf die Wärmequelle betten
  • soweit sie schon mobil sind, sollten die Jungtiere der Wärme in einer Ecke des Behälters ausweichen können

Behälter fertigmachen und abstellen

  • Loch vorn und hinten in Mausgröße in Kiste oder Karton machen
  • Kiste am Fundort geschützt abstellen

Warten

  • entfernen Sie sich mindestens mehrere Meter von Kiste oder Karton
  • behalten Sie diese(n) im Auge
  • greifen Sie nur ein, wenn Fressfeinde sich nähern

Zeitlimit: 2h

  • werden die Jungtiere nicht innerhab von 2h abgeholt, gilt die Rückführung als gescheitert
  • nehmen Sie die Mäusekinder dann wieder an sich
  • nehmen Sie – soweit nötig – eine Erstversorgung vor
  • suchen Sie nach einem kompetenten Wildtierhelfer für die Übernahme

Letztes Update: 08.12.2020