Läuse bei Mäusen

Huch, was krabbelt denn da? Läuse sind Parasiten, die Sie recht gut im Fell Ihrer Tiere erkennen können. Besonders gut sichtbar sind sie auf eher hellen Mäusen. In Panik müssen Sie bei einem Läusebefall aber nicht ausbrechen. Läuse sind recht einfach zu behandeln und auch nicht sonderlich hartnäckig. Zudem wandern Läuse beim Verlust ihres Wirtes nicht in die Umgebung ab. Das erspart Ihnen eine aufwändige Umgebungsbehandlung und vereinfacht auch die Quarantäne deutlich im Vergleich zu hochmobilen Parasiten wie Rattenmilben.

Der Parasit

Von der Ordnung der Tierläuse (Phthiraptera) kommen aus der Familie der Echten Tierläuse etwa 650 bis 1000 der 3500 Arten auch in Mitteleuropa vor. Polyplax serrata parasitiert auf Mäusen, P. spinulosa auf Ratten. Läuse sind wirtsspezifische Parasiten und damit auch an das Blut des Wirtes angepasst. Rattenläuse können also nicht auf Mäuse übergehen, Mäuseläuse nicht auf Ratten.

Läuse sind im Schnitt zwischen 0,7 und 1,5mm groß, also mit bloßem Auge recht gut zu erkennen. Die flügellosen Insekten saugen Blut und halten sich fast immer auf ihrem Wirt auf, auf dem sie sich mit den Klammermechanismen Ihrer Beine festhalten. Ohne ihren Wirt überleben die Parasiten nur für wenige Tage.

Ihre 0,5mm langen Eier, die sogenannten Nissen, klebt die weibliche Laus fest an das Haar ihres Wirtstieres. Die Verbindung ist so fest, dass Sie leere oder tote Nissen noch Wochen, manchmal Monate nach Ende des Befalls erkennen können. Aus den Nissen schlüpfen Nymphen, die sich über 3 Nymphenstadien zu adulten Läusen entwickeln. Die gesamte Entwicklung dauert etwa 2 bis 5 Wochen. Dabei müssen alle Jugendstadien mindestens einmal Blut saugen, um sich weiterzuentwickeln. Imagos zapfen den Wirt mehrmals täglich an und werden zwischen 3 und 4 Wochen alt.

Läuse auf einen Blick

Übertragung von Läusen

Läuse sind keine besonders mobilen Parasiten. Deshalb werden sie in den meisten Fällen über direkten Körperkontakt, aber auch über Parasiten im gemeinsamen Nest übertragen. Seltener findet auch eine Übertragung durch ein „Transportmittel“ wie etwa den Menschen oder verunreinigte Streu, Inventar und ähnliches statt.

Übertragung durch:

Symptome

Läuse finden Sie vor allem an Hals, Schultern und Rücken – also da, wo die Tiere selbst schlecht hinkommen. Die Stiche von Läusen jucken. Daher fallen die Parasiten oft durch Unruhe, Reizbarkeit und vermehrtes Kratzen auf. Vor allem an den typischen Stellen treten Hautirritationen und kleinere Kratzwunden auf. Hier sind auch bakterielle oder mykologische Sekundärinfektionen möglich. Das Fell der befallenen Mäuse wirkt oft struppig und verliert seinen Glanz.

Im weiteren Verlauf des Befalls kann es zu Abmagerung, bei starkem Befall auch zu Anämie kommen, die die Mäuse schwächt und für Jungtiere sogar den Tod bedeuten kann. Sie müssen die Tiere also unverzüglich behandeln, nachdem Sie den Befall entdeckt haben.

Außerdem können Läuse als Vektoren für Rickettsien (Maus: Eperythrozoon coccoides, Ratte: Haemobartonella muris) fungieren.

Symptome im Überblick

Diagnose von Läusen

 Erkennen lassen sich Läuse, indem Sie die erwachsenen Parasiten selbst zwischen den Fellhaaren finden. Oder Sie identifizieren sie über die Nissen, die sie als kleine, glänzende Stifte an die Haare ihres Wirtes kleben. Diese finden sich besonders im Bereich von Kopf, Hals, Nacken und Schultern, bei starkem Befall auch auf der ganzen Rückenpartie.
Der Nachweis von Nissen oder erwachsenen Läusen gelingt mit der Lupe oder mit dem Mikroskop. Sie können also auch eine Tesaprobe bei Ihrem Tierarzt zur Bestimmung abgeben.

Der kann dann auch unterscheiden, ob es sich um Haarlinge handelt oder um Läuse. Bei der Unterscheidung hilft außerdem die Zewa-Probe. Vollgesaugte Läuse geben auf dem Zellstoff einen Blutfleck, Haarlinge nicht – leere Läuse allerdings auch nicht. Daher ist die Zewa-Probe als alleiniger Test zur Unterscheidung unzureichend.

Checkliste Diagnose

Behandlung - Läuse bekämpfen

Behandeln müssen Sie alle Mäuse der betroffenen Gruppe, auch wenn nicht auf allen ein Läusebefall nachgewiesen werden konnte. Am unkompliziertesten und verträglichsten hat sich eine Behandlung mit Stronghold erwiesen, das als Spot-on im Genick auf die Haut aufgetragen wird. Diese Behandlung sollten Sie nach 3 Wochen wiederholen. Sie können aber auch Ivomec verwenden. Dieses Antiparasitikum müssen dreimal im Abstand von 7 Tagen auftragen. Bei einem starken Befall empfiehlt sich eine vierte Behandlung.

Gut zu wissen: Die Nissen der Läuse kleben bombenfest an den Haaren. Deshalb hängen sie auch nach erfolgreicher Behandlung noch einige Wochen im Fell, sind dann aber leer.

Checkliste Behandlung

Der Quarantänekäfig

Der Quarantänekäfig sollte leicht zu reinigen sein und nach Möglichkeit ein Rauskrümeln von Streu verhindern. Dunas, Makrolonboxen und Aquarien haben sich hier am besten bewährt. Da Läuse nicht wandern, müssen Sie den Käfig für die Quarantäne nicht abkleben.
Als Untergrund können Sie jede beliebige Einstreu verwenden. Organische Bodengründe sollten Sie in blauen Säcken mindestens  4 Wochen ablagern, bevor Sie sie auf dem Kompost oder in der Biotonne entsorgen. So vermeiden Sie es, die Parasiten nach draußen zu verschleppen.
Reinigen Sie den Quarantänekäfig wöchentlich.
Dafür leeren Sie den Käfig komplett, säubern ihn Wasser und Seife und spülen ihn anschließen großzügig mit viel heißem Wasser ab.

Inventar behandeln Sie  genauso. Schlecht oder nicht zu reinigendes Inventar sollten Sie min. 4 Wochen ablagern. Alternativ können Sie auch einfach Schachteln, Pappröhren u. Ä. als Einweginventar verwenden und nach Gebrauch entsorgen.

Checkliste Quarantänekäfig

Wie kriege ich das Gehege wieder sauber?

Leeren Sie das Gehege und entsorgen Sie die gesamte Einstreu im Restmüll oder lagern Sie sie ab. Das Gehege reinigen Sie anschließen mit Wasser und Spülmittel, nachdem Sie es ausgesaugt haben. Steht das Gehege mindestens 4 Wochen für die Quarantäne leer, können Sie es quasi auch einfach mit allem Inhalt “ablagern”, da eventuell überlebende Läuse in dieser Zeit zugrundegehen. Im Gegensatz etwa zu Rattenmilben wandern Läuse bei Nahrungsmangel nämlich nicht ab.
Wenn Sie es für die persönliche Sicherheit möchten, können Sie das Gehege auch mit dem Dampfreiniger abdampfen. Desinfektionsmittel wirken nicht gegen Läuse und Akarizide sollten Sie ohnehin nicht im Gehege anwenden – zumal Präparate wie Ardap eher Kanonen wären, mit denen Sie auf Spatzen schießen.

Für das Inventar gilt Ähnliches: Reinigen Sie Mobiliar mit Wasser und Reinigungsmittel und spülen Sie es anschließend gründlich ab. Achten Sie dabei auf die Inhaltsstoffe des Spülmittels, da saugende Untergründe wie rohes Holz dieses bis zu einem gewissen Grad aufnehmen können. Anschließend können Sie die gereinigten Sachen einfach ablagern. Durch Ablagern können Sie übrigens auch Einrichtung retten, die sich nicht feucht reinigen lässt. Auch hier gilt: mindestens 4 Wochen liegenlassen.

Eingangsquarantäne bei Läusen

Wenn Sie wissen, dass Sie Mäuse mit Läusen bekommen oder haben, hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
Bringen Sie die Tiere in einem Duna oder Aquarium unter, da dort keine kontaminierte Streu herausfallen kann.
Behandeln Sie die Nager in der oben beschriebenen Weise.
Holen Sie neue Mäuse, von denen ein Läusebefall bekannt ist, immer mit frischer Streu in der Box vom Vorbesitzer ab. Auch sollten die Tiere vor der Abholung gepunktet und erst 30 min nach dem Punkten in die Transportbox gesetzt werden. So nehmen Sie schon weniger Parasiten mit nach Hause.
Reinigen Sie den Quarantänekäfig nach Ende der Quarantänefrist gründlich, z. B. mit dem Dampfreiniger.

Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Wikipedia.org

Anderson, Fox, et al.: Laboratory Animal Medicine, 3. Aufl., Academic Press 2015, S. 151ff.
Ewringmann, A.; Glöckner, B.: Leitsymptome bei Hamster Ratte, Maus und Rennmaus, Enke-Verlag 2008, S. 196ff.
Lucius, R.; Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten; Springer, Berlin, 2. Aufl., 2007
Pantschev, Nikola; Beck; Wieland : Praktische Parasitologie bei Heimtieren – Kleinsäuger Vögel – Reptilien – Bienen; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1. Aufl., 2005, S. 100ff.

Letztes Update: 25.09.2020