Nagen als Verhalten

Nagen im Überblick
  • grundlegendes Verhalten
  • Nagetrieb unterschiedlich stark ausgeprägt
  • Indikator für mögliche Haltungsfehler

Alle Echten Mäuse und viele in Deutschland gehaltene exotische Kleinsäuger sind Nagetiere. Das Nagen ist ihnen angeboren. Wie sich das Verhalten zeigt, kann jedoch stark variieren.

Das sollten Sie über Nagen als Verhalten wissen

Alle Nager nagen. Das muss jedoch nicht heißen, dass alle Tiere gleichermaßen ihre Einrichtung oder gar Gehege schreddern. Rennmäuse beispielsweise zeigen im allgemeinen einen stärkeren Nagetrieb als Farbmäuse und andere Langschwanzmäuse. Die Ausprägung des Verhaltens kann also sehr unterschiedlich sein.

Nagen an sich ist angeboren. Für Mäuse sind ihre wurzellosen, ständig nachwachsenden Schneidezähne wichtige Werkzeuge beim Fressen, um Fasern für Nester zu gewinnen, zum Graben, Löcher Fressen oder ähnliches mehr. Die regelmäßige Nutzung dieser Werkzeuge stellt sicher, dass die Zähne nicht zu lang werden.
Übrigens: Im Gegensatz zu einigen anderen Nagern wie Mehrschweinchen oder Chinchillas wachsen die hinteren Zähne der Langsschwanzmäuse (Muridae) und vieler anderer mausartiger Nager nicht permanent nach.

Mitunter können Sie eine Mausart schon an ihren Nagespuren erkennen. Vor allem Akazienratten fabrizieren selbst in glatten Oberflächen unverwechselbare, sehr markante Löcher. Neben der Intensität unterscheidet sich also bei den kleinen Nagern auch der Einsatz ihrer Zähne.
Dass Mäuse nagen, ist ihnen angeboren. Wie sie diese Fähigkeit einsetzen, erlernen sie aber zumindest zum Teil. So lassen sich beim Öffnen von Nüssen und größeren Kernen Unterschiede zwischen Mäusen erkennen, die eine effektive Technik von ihren Eltern gelernt haben und solchen, die es mit “Trial and Error” selbst lernen mussten. Letztere öffnen ihr Futter weniger gezielt und sauber und brauchen in der Regel länger.

Nagen im Überblick
  • grundlegendes Verhalten
  • zum Teil erlerntes Verhalten
  • Nagemuster arttypisch
  • Verhalten mit vielseitigen Zwecken
  • wichtig für Zahnabrieb
Physiologische Zähne einer Baumwollratte

Was sagt mir dieses Verhalten?

Spätestens beim Fressen wird jede Maus zum Nager. Die sehr harten Schneidezähne sind ein hervorragendes Werkzeug, um harte Schalen zu knacken, Samenhüllen abzuschälen und Saaten, Insekten und Frischfutter zu zerkleinern. Nagen hängt also unter anderem eng mit dem Fressverhalten zusammen. Frisst eine Maus also auffallend schlecht, kann das auch auf ein Zahnproblem hindeuten. Lassen Sie dann die Zähne beim Tierarzt kontrollieren, soweit Sie das zu Hause nicht selbst sicher (!) tun und beurteilen können.

Checkliste Nagen
  • gesunde Mäuse zeigen immer auch ein Nageverhalten
  • verschlechtertes Fressverhalten kann auf Probleme beim Nagen hinweisen (-> Zahnprobleme!)

Folgen bei Haltungsfehlern

Manche Arten und Exemplare sind von Natur aus stärkere Nager. Ist das Gehege ausreichend groß, den Anforderungen der Mäuse entsprechend eingerichtet und werden die Tiere ihren sozialen Bedürfnissen entsprechend gehalten, legt aber keine Art einen übermäßigen Zerstörungsdrang an den Tag.
Enge und/oder Langeweile können aber vor allem bei Rennmäusen dazu führen, dass die Tiere jegliches annagbares Inventar binnen kurzem zerstören oder zumindest stark benagen. Werden Sie also im wörtlichen Sinne hellhörig, wenn Ihre Hausgenossen sich übermäßig dem Inventar zuwenden.
Auch Tiere aus schlechter und zu enger Haltung zeigen das Verhalten oft. Manchmal verlieren sie trotz Optimierung der Lebensumstände diese Verhaltensstörung nicht mehr. Es ist also wichtig, zwischen Haltungsfehler und vorher erworbener Verhaltensstörung zu unterscheiden.

Folgen für das Verhalten
  • Haltungsfehler können zu sehr intensivem Nageverhalten führen
  • starkes Nagen als Verhaltensstörung ist bedingt reversibel
  • bei lang andauernden Haltungsfehlern kann ein intensivierter Nagetrieb als Verhaltensstörung lebenslang erhalten bleiben

Quellen:

Eickhoff, Markus: Zahn- und Kieferheilkunde bei Klein- und Heimtieren; Enke 2005; S. 227