Bewegung als Verhalten

Bewegung im Überblick
  • Grundbedürfnis
  • Umfang und Form sehr arttypisch
  • Gesundheitsindikator

Jede Maus, die lebt, bewegt sich auch. Bewegung ist aber mehr als ein einfacher Fakt. Sie wird kann Ihnen auch viel über Ihre Mäuse erzählen: über ihr Befinden, über ihre Gesundheit und sogar über ihre Stimmung. Schauen Sie also genau hin!

Das sollten Sie über Bewegung als Verhalten wissen

Bewegung ist ein Grundbedürfnis. Und meistens ist dieses Grundbedürfnis größer, als man bei ihrer geringen Größe annehmen mag. Der Bewegungsablauf und auch die Anteile von Bewegungsformen wie Klettern oder Laufen sind je nach Art sehr verschieden, wobei sich alle Arten bis auf die Springnager auf vier Beinen fortbewegen.

Auch das Bewegungsbedürfnis der einzelnen Arten kann sich immens unterscheiden. Während Fettschwanz-Rennmäuse mehr als 10 km in einer Nacht laufen können, sind Baumwollratten eher gemütliche Vertreter, die nur kurze Strecken laufen. Wichtig ist es für Sie daher, dass Sie über die Bewegungsanforderungen in freier Wildbahn, die Habitatgröße, -aufbau und –art und sowie die Fortbewegungsmuster für die von Ihnen gehaltene Art Bescheid wissen. Hieran lassen sich die Ansprüche an das Gehege der als Heimtiere gehaltenen Exemplare gut ablesen.
Arten, die viel laufen, brauchen ein Gehege mit einer möglichst großen Grundfläche und meistens auch ein Laufrad, während baumbewohnende Arten hohe Gehege und viel Fläche zum Klettern benötigen. Sie können zudem mit Rädern und Co. eher wenig anfangen. Sie spielen eher damit.

Stimmt der Aufbau nicht mit den Anfordernissen an die natürlichen Bewegungsmuster Ihrer Mäuse überein, bleibt das nicht ohne Folgen.

Bewegung im Überblick
  • Bewegungsdrang hat keine Relation zur Körpergröße
  • Fortbewegung verschiedene Formen (Klettern, Springen, Laufen, Graben)
Beispiel: Karger Käfig für Farbmäuse

Der Fehler: Farbmäuse werden in einem flachen, sehr karg eingerichteten Käfig mit Laufrad gehalten.

Die Folge: Die Mäuse laufen mehr und klettern weniger, als von der Natur vorgesehen. Das führt dann zu Defiziten in der Ausprägung ihrer natürlichen Kletterfähigkeiten. Muskulatur, Koordination, Ausdauer und Gleichgewichtssinn verkümmern. Die Effekte sind dabei umso stärker, je länger die Tiere dieser Haltung ausgesetzt sind.
Zudem können Sie so kein natürliches Bewegungsverhalten mehr beobachten.

Das Problem: Viele Halter mit einem solchen Haltungsfehler meinen, dass sich ihre Mäuse total normal bewegen. Die Defizite werden jedoch erst dann sichtbar, wenn die Mäuse in ein für Farbmäuse dreidimensional strukturiertes, höheres Gehege umgesiedelt werden. Sie sind dann unsicherer, unbeholfener und stürzen schneller ab. Zudem sind sie schneller erschöpft und in anspruchsvollen Settings mitunter sichtbar überfordert.

Die Lösung: Übernehmen Sie solche Farbmäuse, dann geben Sie den Nagern Gelegenheit, sich an die neue Gehegestruktur- und größe zu gewöhnen. Die Defizite sind in der Regel reversibel. Die Mäuse brauchen einfach etwas Training.

Haben Ihre Mäuse von Anfang an ein ausreichend großes, vielseitig gestaltetes Gehege, vermeiden Sie solche Einschränkungen des Bewegungsrepertoires und die damit verbundenen Probleme. Verwenden Sie also im Zweifel schon vor der Anschaffung auf die Planung der Gehegeform, -größe und -struktur lieber etwas mehr Zeit und Muße.

Was sagt mir dieses Verhalten?

Der Bewegungsablauf kann bei den einzelnen Arten sehr unterschiedlich sein. Für alle gleichermaßen gilt jedoch: Bei gesunden, nicht behinderten Tieren ist der Bewegungsablauf fließend und wirkt harmonisch. Macht die Bewegung einen eckigen oder insgesamt unstimmigen Eindruck, sollten Sie das entsprechende Tier sicherheitshalber einem Tierarzt vorstellen.

Auch inkative Tiere sonst sehr aktiver Arten sollten Sie im Zweifel beim Tierarzt vorstellen. Oft zeigt eine Veränderung in diesem Verhalten ein gesundheitliches Problem an.

Die Bewegung als tierisches Verhalten ist also nicht nur interessant zu beobachten. Sie ist auch ein guter Indikator für die Gesundheit Ihrer Mäuse.

Checkliste Bewegung
  • gesunde Tiere bewegen sich arttypisch, fließend und in harmonsichen Abläufen
  • Bewegung kann Ihnen helfen, Erkrankungen zu entdecken

Persische Rennmäuse im Alter von 6+ bis 8,5 Jahre: Die Bewegung der Tiere ist altersbedingt weniger flüssig. Sie wirkt eckiger und leicht unbeholfen. Das tritt bei einigen Arten im höheren Alter auf. Hier sollten Sie einfach das Gehege anpassen, da die Entwicklung in der Regel schleichend fortschreitet und nicht behandelbar ist.

Turkmenische Maushamster: Hier sehen Sie das typische Bewegungsmuster von gesunden Maushamstern. Die Tiere sind sehr flott und klettern sehr geschickt. Die Bewegung ist fließend, in sich harmonisch und wirkt koordiniert. So sollten sich gesunde Maushamster bewegen.

Vergesellschaftung von Farb- und Vielzitzenmäusen: Hier sehen sie zwei weitere, arttypische Bewegungsmuster von jeweils gesunden Mäusen ihrer Art. Zwar ist der Bewegungsablauf anders als beim Maushamster. Doch auch hier wirken die Bewegungen in sich harmonisch, natürlich und koordiniert.

Folgen bei Haltungsfehlern

Können Tiere ihrem natürlichen Bewegungstrieb nicht ausreichend nachgehen, bilden sie verschiedene Verhaltensstörungen aus. Ähnlich wie bei zu kleinen Gehegen im Zoo lassen sich auch bei Mäusen häufig Stereotypien beobachten. Hin- und Herlaufen oder Weben wie bei Großtieren ist bei Nagern selten. Eher nagen sie stundenlang an Gitterflächen oder wühlen stereotyp in Ecken. Aber auch Aggressionen, „Zerstörungswut“ (2die schreddern alles”) und Übergewicht können die Folge sein.
Diesem Grundbedürfnis Ihrer Mäuse müssen Sie also in jedem Fall ausreichend nachkommen und sollten diesen Punkt daher bei Ihren Anschaffungsüberlegungen in Gehegeart und -größe mit einbeziehen.

Folgen für das Verhalten
  • Bewegungseinschränkungen führen zu Verhaltensstörungen
  • Verhaltensstörungen sind nur reversibel, wenn sie nicht zu lange andauern