Hautpilze bei Mäusen

Hautpilze gehören insbesondere bei Farbmäusen zu den häufigeren Diagnosen. Da sie aber nicht immer typische und eindeutig zuzuordnende Symptome verursachen, gehören Sie zu den zu überprüfenden Differentialdiagnosen bei Hautproblemen. Typischerweise sind – ähnlich wie etwa bei einem Grabmilbenbefall – nicht alle Gruppenmitglieder betroffen.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Hautpilze wieder von selbst verschwinden, wenn Sie das Immunsystem des Patienten ausreichend “boosten”. Das ist aber nicht der Fall. Hat sich der Pilz einmal festgesetzt, muss er behandelt werden.
Dermatomykosen sind Zoonosen!

Ursachen für Hautpilze bei Mäusen

Verursacht werden Hautpilzerkrankungen (Dermatomykosen) vor allem von Vertretern der Fadenpilze (Dermatophyten) aus den Gattungen Microsporum (z.B. M. gypseum, M. canis, M. audouinii) und Trichophyton (z.B. Trichophyton mentagrophytes), wobei Microsporum deutlich häufiger auftritt. Diese befallen die Haut und Hautanhangsgebilde (Haare, Krallen), während Hefen (Candida sp.) Stellen sowohl am, als auch im ganzen Körper befallen können.

Vermeiden lässt sich ein Kontakt mit Pilzsporen nicht. Gesunde Mäuse sind jedoch zum einen durch den Säuremantel der Haut recht gut vor einem Hautpilz geschützt. Zum anderen bekämpft ein fittes Immunsystem sofort die eindringenden Sporen, sodass in der Regel keine Infektion bei der üblichen, geringen Sporenkonzentration zustande kommt.
Ist ein Tier und damit auch sein Immunsystem aus irgendeinem Grund geschwächt oder bietet eine größere Wunde einen Weg in den Körper, kann sich eine Pilzinfektion deutlich leichter entwickeln. Daher treten Hautpilze auch nicht immer bei allen Tieren einer Gruppe auf.
Bei bestehenden Erkrankungen ist zudem die Sporenkonzentration in der Umgebung so erhöht, dass weitere Tiere erkranken können.

Pilzinfektionen werden außerdem durch überfüllte Käfige und durch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt.

Ursachen im Überblick
  • Trichophyton spec.
  • Microsporum spec.
  • Hefen
  • geschwächtes Immunsystem
  • erhöhter Keimdruck in der Umgebung
  • Haltungsmängel
Farbmaus mit Hautpilz
Typische Schuppung durch Hautpilz

Übertragung von Hautpilzen

Pilzsporen gibt es überall in unserer Umgebung. Sie können sie also mit Heu oder Streu einschleppen, mit dem Futter, Ihrer Kleidung, einem neuen Möbelstück, der Einkaufstasche, … . Die Sporen könnten aber auch beim Öffnen des Fensters hereingeweht werden oder an Ihrer Hand haften. Mäuse und Halter sind also ständig dem Angriff von Pilzsporen ausgesetzt. Zudem gibt es auch symptomlose Sporenträger unter den Mäusen. Eine sporenfreie Umgebung gibt es nicht.

Übertragung im Überblick
  • Pilzsporen in der Umgebung

Symptome von Hautpilzen bei Mäusen

Der Verdacht auf einen Hautpilz ist immer dann gegeben, wenn die Haut verändert ist. Das kann von Rötungen und trockner, schuppender Haut bis hin zu kahlen Stellen reichen. Diese kahlen Stellen können rund sein, müssen es aber nicht. Runde, haarlose Areale legen aber deutlich einen Hautpilz nahe. Diese haarlosen Areale entstehen mitunter schleichend. Manchmal fällt den Tieren das Fell aber auch büschelweise aus.
Hautpilze können auch mit Fellverlust, teils massivem Juckreiz und in der Folge aufgekratzten Hautpartien einhergehen.

Hautpilze sind eine Erkrankung mit vielen Facetten. Daher müssen bei einem Patienten nicht immer alle Symptome auftreten.

Symptome im Überblick
  • gerötete Haut
  • schuppige, trockene Hautstellen
  • dünneres, manchmal büschelweise ausfallendes Fell
  • kahle Stellen
  • Juckreiz und vermehrtes Kratzen
  • Verkrustungen und aufgekratzte Stellen

Diagnose von Hautpilzen

Nur durch Anschauen lässt sich ein Hautpilz unmöglich sicher diagnostizieren. Daher müssen Sie mit der erkrankten Maus einen Tierarzt aufsuchen. Der kann nach einer optischen Untersuchung des Patienten eine Pilzkultur anlegen (lassen) oder eine Probe mikroskopieren. Die Probe wird durch ein oberflächliches Geschabsel oder ausgezupfte Haare am Rand der befallenden Region genommen.
Einige Microsporum-Arten leuchten unter Schwarzlicht, der sogenannten Wood´schen Lampe. Allerdings ist hier nur der positive Test aussagekräftig – also, wenn ein fluoreszierender Pilz festgestellt wird. Da diese Eigenschaft nur auf einen Teil der Hautpilze zutrifft, muss ein negativer Test nicht bedeuten, dass kein Pilzbefall vorliegt.
Auch die Pilzkultur wird aus Haaren und Haut  gewonnen. Sie wird in einem Nährmedium angelegt. Das Ergebnis aufgrund des langsamen Wachstums der Pilze bis zu 4 Wochen dauern kann.

Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind Parasiten, Organerkrankungen oder Mangelerscheinungen durch Fehlfütterung/ Mangelernährung oder Resorptions- oder Stoffwechselstörungen. Auch bakterielle Hautinfektionen können mit ähnlichen Symptomen wie eine Pilzerkrankung einher gehen.

Möglichkeiten der Diagnose
Typische Ergebnisse der Anamnese:
  • Hautveränderungen
  • Fellverlust
  • Juckreiz
Weitere Untersuchungen:
  • mikroskopische Untersuchung
  • Pikzkultur
Differentialdiagnosen:
  • bakterielle Dermatitiden
  • Ektoparasiten
  • Mangel-/ Fehlernährung
  • Stoffwechselstörung
  • Erkrankung innerer Organe

Behandlung von Pilzinfektionen der Haut bei Mäusen

Behandeln Sie bei Hautpilz immer nur Tiere mit sichtbaren Symptomen. Die Behandlung symptomfreier Mäuse ist nicht nur eine unnötige Belastung der Tiere. Sie hat auch keinerlei Einfluss auf den Therapieerfolg erkrankter Tiere und für die mitbehandelten, symptomfreien Artgenossen auch keinen Prophylaxe-Effekt.
Lediglich die Quarantäne gilt für die gesamte Gruppe, da Sie den Sozialverband nicht trennen sollten. Betroffene Nager sollten Sie nicht aus der Gruppe nehmen, auch wenn einige Tierärzte immer wieder dazu raten. Wenn Sie die Pilzerkrankung entdecken, waren die  symptomlosen Mitbewohner ohnehin bereits den Sporen ausgesetzt.

Schulmedizin bei Hautpilzen

Für die Behandlung von Hautpilzen stehen systemisch wirksame Antimykotika (z.B. Itrafugol, Program) und antimycotische Salben, Cremes oder Tinkturen (z.B. Clotrimazol, Surolan) zur Verfügung. Die orale Therapie hat sich in der Praxis sowohl im Mäuseasyl, als auch bei anderen Haltern als wenig befriedigend erwiesen, sowohl was die Wirkung, als auhc teilweise was die Verträglichkeit betrifft. Vor allem Program versagt oft gänzlich den Dienst und ist daher für die Therapie eines Hautpilzes bei Mäusen in meinen Augen ungeeignet.

Lokale Antimykotika werden direkt auf die befallenen Stellen aufgetragen. Oft verordnet wird Surolan, das oft jedoch mit eher mäßigen Erfolgen glänzt. Gleichzeitig reizt seine Konsistenz viele Patienten zu vermehrtem Putzen und Kratzen.
Zudem müssen Surolan und viele andere lokale Antimykotika einmal oder sogar mehrmals täglich aufgetragen werden. Das bedeutet für die meisten Patienten erheblichen Stress.

In der Praxis haben sich wässrige Lösungen als bessere Alternative erwiesen – insbesondere Imaverol (Wirkstoff Enilconazol). Imaverol ermöglicht eine besonders effektive und vergleichsweise schonende Behandlung, da hier nur eine Anwendung alle 3 bis 4 Tage notwendig ist. Meist empfehlen Tierärzte, das erkrankte Tier in der Lösung zu baden. Hierbei stehen Mäuse und Hamster aber unnötige Ängste aus. Es genügt völlig, die betroffenen Stellen mit einem mit der Lösung getränkten Wattebausch zu betupfen, bis sie richtig nass sind. Diese Anwendung kann auch am ganzen Körper stattfinden, wenn nötig. Achten Sie dann aber darauf, dass nichts von der Lösung in die Augen kommt.

Es empfiehlt sich unabhängig von der gewählten Medikation, die Behandlung der Patienten je nach Befallsstärke und gewähltem Medikament noch bis zu 14 Tage nach Abklingen der Symptome fortzusetzen. Eine Pilzbehandlung kann also durchaus je nach Ausprägung des Hautpilzes 6 Wochen und länger andauern.

Behandlungsmöglichkeiten
  • lokale Antimykotika
  • systemische Antimykotika
  • Immunsupport
Bewährte Mittel und Medikamente
  • Imaverol
  • Clotrimazol
Wichtig: Mangelnder Therapieerfolg
Sollte die Behandlung auch mit bewährten Wirkstoffen wie Enilconazol (Imaverol) oder Clotrimazol nicht erfolgreich sein, sollten Sie die Diagnose überprüfen (lassen). Wird Ihre Maus auf einen reinen Verdacht hin gegen Hautpilz behandelt, kann dieser Verdacht bei mangelndem Therapieerfolg nämlich schlicht falsch sein.
Zwerghamster Hautpilz vorher - nachher
Hautpilz beim Zwerghamsterhybriden: Dasselbe Tier links vor, rechts nach der Behandlung mit Imaverol

Komplementärmedizin bei Hautpilzen

Neben Imaverol habe ich dank meiner Tierärztin ein natürliches Antimykotikum entdeckt: CleverFungus. Es enthält den Pilz Pythium oligandrum. Der parasitiert auf anderen Pilzen und Hefen. Er frisst den Hautpilz also quasi auf.
Leider fehlen mir zu diesem recht neuen Präparat noch ausreichende Erfahrungen, um es in den Kreis der „bewährten Medikamente“ stellen zu können. Der natürliche Ansatz ist aber vielversprechend.

Bei einem nicht näher spezifizierten Hautpilz am Schwanzansatz von Sinai-Stachelmäusen habe ich außerdem schon mit Erfolg Kombucha eingesetzt. Auch hier scheint der Pilz aus dem Tee dem Hautpilz ausreichend zuzusetzen, dass der Pilz ohne weitere Maßnahmen ausheilen konnte.
Dafür wurden die betroffenen Stellen 2x täglich mit etwas Kombucha eingepinselt, bis die Hautveränderungen komplett verschwunden waren.
Leider kann ich auch bei dieser Alternative bisher nur auf Einzelfallerfahrungen zurückgreifen.

Umgebungsbehandlung bei Hautpilzen

Zur Behandlung des betroffenen Nagers kommt die Reinigung des Gehege und des Quarantänekäfigs. Letzterer sollte nach Möglichkeit einfach abzuwischen sein und das Herausfallen stark sporenbelasteter Streu verhindern. Aquarien, große Aufbewahrungsboxen oder Dunas eignen sich daher besonders gut.
Der Reinigungsturnus sollte anfangs 3 bis 4 Tage umfassen. Eine häufigere Reinigung bringt nur in sehr seltenen Fällen so viel Nutzen, dass sich der zusätzliche Stress lohnt. Mit Besserung des Zustandes können Sie später zu einem 7-tägigen Reinigungsturnus übergehen. Dieser bedeutet weniger Stress für die Tiere und reicht dann aus, wenn die Behandlung schon sichtbare Erfolge zeigt (i. d. R. nach 7-10 Tagen). Generell reicht der längere Turnus auch dann aus, wenn der Befall nur minimal ist.

Bei Gehege und Inventar reicht in der Regel eine Reinigung mit viel heißem Wasser und Essigessenz. Sie sind danach nicht sporenfrei. Jedoch ist die Sporenzahl deutlich – und fast immer ausreichend – reduziert. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen möchten, können Sie alles auch abdampfen, abbrühen oder ausbacken.

Pilzbehandlungen können je nach Hartnäckigkeit (und gewähltem Medikament) sehr langwierig sein. Zudem sind die gebildeten Sporen sehr widerstandsfähig. Werden sie nicht entfernt, bleiben sie noch ein Jahr und länger infektiös. Bedenken Sie jedoch bei allein Reinigungsüberlegungen: Eine vollständige Beseitigung der Sporen ist in einem normalen Haushalt nicht möglich. Es geht her in erster Linie darum, den Keimdruck auf die Mäuse zu verringern.

Nach jeder Berührung der Tiere und aller Dinge, mit denen sie in Berührung kommen, sollten Sie sich gründlich die Hände waschen. So vermindern Sie das Risiko einer Ansteckung anderer Tiere, so noch weitere im Haushalt leben. Auch Sie als Halter können sich von Ihren Tieren einen Hautpilz zuziehen (Zoonose). Entdecken Sie also veränderte Stellen auf der Haut, die größer werden und eventuell jucken oder schuppen, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Eine Übertragung ist jedoch eher selten.

Hautpilzerkrankungen bei Mäusen vorbeugen

Hautpilze sind vor allem Erkrankungen einer schlechten Immunabwehr. Die beste Vorbeugung ist also, das Immunsystem zu unterstützen. Das tun Sie zum einen mit einer artentsprechenden, vielseitigen Fütterung und einer möglichst optimalen Haltung und Haygiene.
Zum anderen können Sie die Wahrscheinlichkeit von Hautpilzen als Erkrankung reduzieren, wenn Sie chronischen Stress für Ihre Nager vermeiden. Auch der schlägt sich nämlich aufs Immunsystem.

Vorbeugende Maßnahmen im Überblick
  • artgerechte, vielseitige Ernährung
  • ausreichende Lüftung von Gehegen
  • Vermeidung von chronischem Stress
  • Hygiene im Gehege

Weiterführende Literatur

Weitere interessante Informationen zu Hautpilzen der Gattung Microsporum finden Sie in dieser Doktorarbeit der veterinärmedizinischen Hochschule Hannover.
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe
3Sat.de

Ewringmann, Anja; Glöckner; Barbara: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; 1. Auflage, Enke 2008, S. 198ff.
Gabrisch, Karl/ Zwart; Perneel: Krankheiten der Heimtiere; 7. Auflage, Schlütersche Verlagsgesellschaft 2008
Müller, Kerstin: HeimtierSkills – Praxisleitfaden zur Diagnose und Therapie bei kleinen Heimtieren, Schattauer 2017; S. 367ff., 402ff., 434ff., 466ff.

Letztes Update: 26.06.2020