Die Mäuse und das Laufrad

Laufräder sind für Mäuse zum einen Bewegungsgelegenheiten, zum anderen Spielzeug – und deshalb bei vielen Arten ein gern gesehenes Inventar.
Besonder wichtig sind Laufräder vor allem für Arten, die täglich weitere Strecken zurücklegen wie Lemminge und einige Rennmäuse. Essenziell sind Räder für Arten, die teilweise bis zu 10km pro Nacht laufen (z.B. Zwerghamster, Fettschwanz-Rennmäuse). Ihnen bietet das Rad eine hervorragende Gelegenheit, den Bewegungstrieb auszuleben.
Für weniger laufbetonte, auch kletternde Arten wie Farbmäuse oder Vielzitzenmäuse sind Laufräder zum einen Bewegungselement, zum anderen aber auch Spielzeug. Hauptsächlich zum Spielzeug avanciert ein Laufrad bei virtuosen Kletterern wie etwa Zwergschläfern. Solchen Arten müssen sie zum Rad noch ausreichend Kletterfläche anbieten für eine artentsprechende Bewegung.

Welches Laufrad ist das Richtige für meine Mäuse?

Laufräder gibt von vielen Marken, in zahlreichen Varianten und in unterschiedlichen Preisklassen. Dabei bedeutet billig nicht unbedingt schlecht. Fakt ist jedoch: Hochwertige – und damit auch eher hochpreisige – Laufräder schlagen die günstigen Modelle im Test. Eine saubere Verarbeitung, hochwertige Materialien und langlebige, sehr leichtgängige Kugellager haben einfach ihren Preis. Ob Sie sich für ein Modell mit Kork in der Lauffläche oder Holz mit kleinen Sprossen entscheiden oder lieber für leicht zu reinigenden Kunststoff oder extra nagefeste Alu-Räder ist dabei eine Frage Ihres Geschmacks und der Anforderungen, die Sie und Ihre Tiere an das Rad stellen.

Vor allem bei kleinen und sehr leichten Arten sind Gewicht und Leichtgängigkeit des Rades ein zentrales Kaufkriterium. Schwergängige oder sehr schwere Räder kriegen die Fliegengewichte nicht in Bewegung gesetzt. Für diese Arten sollten Sie zu Premium-Marken wie Rodipet oder Getzoo greifen, deren Kugellager extrem leichtgängig sind und die in recht leichte Räder verbaut wurden.

Inzwischen hat sich bei einigen Laufrädern gezeigt, dass es Mäuse gibt, die sich drunterzwängen und steckenbleiben oder gar eingeklemmt werden, da das Rad zum Boden nur einen sehr geringen Abstand hat. Wer fürchtet, solche “Experten” zu haben, kann ein solches Rad kopfüber an der Decke aufhängen. Besser ist es dann aber, wenn Sie Räder mit ausreichend Luft zum Boden kaufen – oder gleich ein höhenverstellbares Laufrad.

Das macht ein gesundes Laufrad aus
  • einseitige Aufhängung
  • geschlossene Lauffläche
  • geschlossene Rückwand
  • komplett offene Front (bei Gruppentieren)
  • zum Tier passender Durchmesser
  • unbedenkliches Material
  • leichtgängig
  • regulierbarer oder ausreichender Bodenabstand

Ein solches Laufrad sollten Sie nicht kaufen

Leider werden im Zoohandel immer noch ungeeignete bis höchst gefährliche Laufräder für Mäuse angeboten, da dies leider gesetzlich bis heute nicht verboten ist. 
Besonders gefährlich ist die zweiseitige Aufhängung, durch die der Schereneffekt entsteht, durch den Tiere Prellungen, Brüche und sogar tödliche Verletzungen erleiden können. Auch Sprossen in der Lauffläche sind sehr verletzungsträchtig. Bleiben die Tiere darin hängen oder rutschen durch, können sie sich schnell die Beine brechen.
Bis das Verbot solch gefährlichen Zubehörs für Nager endlich kommt, liegt es also bei Ihnen, solche Räder zu meiden und vielleicht durch Nichtkaufen nach und nach aus dem Verkauf zu drängen.

No-Gos für Laufräder
  • Lauffläche mit Sprossen
  • zweiseitige Aufhängung
  • Schereneffekt
  • unangenehm riechende Kunststoffe
  • zu kleiner Durchmesser

Den richtigen Durchmesser fürs Laufrad ermitteln

Grundsätzlich kann ein Laufrad für Mäuse kaum zu groß sein, solange es leichtgängig aufgehängt ist. Die Mindestgröße des Rades lässt sich auf mehrere Weisen ermitteln.

  1. Für schwanzlose bzw. kurzschwänzige Arten hat sich die Formel 2 x Körperlänge des Tieres durchgesetzt. Sie ergibt beispielsweise bei einem 12cm langen Steppenlemming einen Mindestinnendurchmesser von 24cm – der auch ausreicht.
  2. Bei langschwänzigen Arten müssen Sie optisch Maß nehmen. Hier zählt der Schwanz als Teil des Rückens. Der eigentliche Rücken sollte gerade sein, der Schwanz nicht stark durchgebogen oder gar über dem Körper getragen werden beim Laufen. Bei Farbmäusen passt die Haltung ab etwa 28cm Raddurchmesser.

Schwierig wird die Suche nach Rädern für sehr große Exoten. Hier werden Sie wahrscheinlich am ehesten fündig, wenn Sie nach Hörnchenrädern oder nach „Riesenlaufrad“ googeln. Auch für Chinchillas und Degus gibt es sehr große Räder, die auch für große Mausarten passen. Die stellt zum Beispiel die Laufradschmiede her. Wer für seine Tiere ein extrem großes Laufrad sucht – etwa für Hamsterratten – findet dieses mitunter erst bei den Katzenlaufrädern, die Größen ab etwa 90 cm Durchmesser haben.

Die Folgen ungeeigneter Laufräder

“Da ist noch nie was passiert”, ist die typische Antwort von Haltern mit ungeeigneten Rädern. Und natürlich muss nicht immer etwas Schlimmes passieren – aber es kann. Und dem sollten Sie bei der Radauswahl schon vorbauen. Hat Ihr Nager nämlich dann doch einen Unfall, sind die Folgen oft schwerwiegend und können Ihr Tier sogar das Leben kosten.
Die nebenstehenden Folgen sind typisch für Schereneffekt, Speichen als Lauffläche und Laufräder in ungünstiger Höhe bzw. mit zu kleinem Durchmesser.
Daneben können die Frontverblendungen mit mehreren Einstiegslöchern für soziale Nager zum Problem werden. Während die Frontverblendung allzu flotte Hamster vor dem Rausfallen schützt, kann sie einer Maus einen ordentlichen Schlag versetzen, wenn ein Artgenosse darin gerade läuft und sie einsteigen will. Für soziale Arten sollten Sie daher nur offene Räder wählen.
 
Trotz dieser Gefahren, verkauft so mancher Zoohandlungsmitarbeiter noch immer in Beratungsgesprächen das falsche Laufrad für Mäuse. Heute sind es weniger die Metalllaufräder, die fälschlicherweise empfohlen werden. Häufiger ist es die falsche Größe. Immer noch werden beispielsweise Räder mit einem Durchmesser von 15 oder gar 10cm für farbmausgroße Arten verkauft.
Was passiert beim falschen Rad?
  • verrenkte und gebrochene Gliedmaßen
  • Quetschungen und Prellungen
  • Einklemmen unter dem Rad
  • skelletierte oder abgerissene Gliedmaßen/Schwänze
  • Wirbelsäulenverkrümmungen, Bandscheibenvorfälle und Lähmungeerscheinungen
  • Tod durch Genickbruch