Tropische Rattenmilbe

Oh Schreck! Es krabbelt! Die Tropische Rattenmilbe ist inzwischen ein recht regelmäßiger Gast bei Nagerhaltern. Sie wieder loszuwerden, kostet zwar einiges an Mühe (und Geld), ist aber auch ohne die immer noch sehr beliebte chemische Keule möglich. Wie Sie die Rattenmilbe auf verschiedenen Wegen bekämpfen können, finden Sie in diesem Artikel unter “Behandlung”. Beachten Sie dabei nicht nur die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden. Bedenken Sie auch, wie gut die jeweilige Methode zu Ihrer Situation passt, denn nicht jede Methode ist für jeden Befall eine Patentlösung.

Der Parasit

Die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) stammt ursprünglich aus den warmen bis heißen Gebieten Afrikas, Nordamerikas, Argentiniens und Australiens. Das zunehmend warme Klima in unseren Breiten begünstigt jedoch auch ihre Ausbreitung in Europa. Mit einer Größe von 0,5 bis 1mm sind die runden, nüchtern grauen, vollgesogen (braun-)roten Spinnentiere auch mit bloßem Auge erkennbar. Ihre Hauptwirte sind in freier Wildbahn Ratten und Mäuse.
Die Entwicklung vom Ei über die ebenfalls blutsaugende Protonymphen bis zum adulten Tier dauert bei Rattenmilben in der Regel 7 bis 14 Tage. Dabei durchlaufen die Tiere mehrere Nymphenstadien. Die Entwicklungsdauer ist unter anderem von der Umgebungstemperatur abhängig. Bei 25 bis 35°C liegt das Optimum für die Spinnentiere. Über 38 bis 39°C und unter 13 bis 15°C entwickeln sich die Tiere nicht weiter. Die erwachsenen Milben werden im Schnitt 2 bis 3 Monate alt. Ohne Nahrung können die Milben jedoch auch bis zu 9 Monate ausharren.
Haben die Weibchen Blut gesaugt, legen sie 2 bis 3 Tage nach ihrer Mahlzeit zwischen 90 und 120 Eier in Ritzen und Spalten der Umgebung ihrer Wirtstiere.
Rattenmilben und ihre Nymphen leben nicht permanent auf dem Wirtstier, sondern suchen es lediglich zur Nahrungsaufnahme für etwa 20 Minuten auf. Den Rest der Zeit verbergen sich die nachtaktiven Milben in der näheren Umgebung. Hier warten sie in Ritzen und Winkeln, bis sich ein Wirtstier ihrem Versteck nähert.

  • bis 1mm groß
  • leer schwarzbraun, vollgesogen rot
  • runde Körperform
  • 8 Beine
  • hochgradig mobil
  • nachtaktiv
  • sitzt nach Saugakt in der Umgebung

Übertragung

Rattenmilben können Sie auf vielen Wegen einschleppen. Die mit Abstand häufigste Quelle sind neue Tiere. Sie können die Parasiten mitbringen, wenn Sie die Quarantäne nicht einhalten oder dabei Fehler machen.

Die Milben sitzen aber auch manchmal Streu, Heu oder Futter oder in gekauftem Inventar. Besonders hoch ist die Gefahr bei stationären Läden mit Lebendtierverkauf. Tragen Tiere im Verkauf die Milben, können die auf Ware in der Umgebung auswandern.

Da Wildtiere ebenfalls betroffen sein können, können Sie die Milben auch mit Materialien aus der freien Natur wie etwa Ästen, Wurzeln, Wiesenstücken und Ähnlichem eintragen.
Selten, aber nicht unmöglich: Sind in Ihrem Haus wilde Nager unterwegs, können auch diese die Milben mitbringen.

Rattenmilben sind nicht wirtsspezifisch, daher können infizierte Menschen die Milben ebenfalls in den Haushalt bringen. Doch auch wenn Sie selbst (noch) nicht infiziert sind, können Sie die Parasiten an Ihrer Kleidung von draußen einschleppen.

Zu guter Letzt können die Milben tatsächlich auch aktiv einwandern. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich – aber eben nicht unmöglich. Passieren kann das beispielsweise, wenn befallene Nager in der Nähe von Fenstern entlanglaufen oder sogar da wohnen. Beim Lüften oder wenn die Fenster sogar länger offen stehen, können die Parasiten problemlos einwandern.

Buschschwanz-Rennmaus auf dem Schoß
Solch enger Kontakt ist ideal für die Übertragung der Rattenmilbe
Übertragung durch:
  • neue Tiere
  • Streu, Heu oder Futter
  • befallene Menschen
  • neues Mäusemobiliar
  • aktive Einwanderung

Symptome

Ist ein Befall mit diesen Milben noch frisch, werden Sie ihn in der Regel eher zufällig entdecken. Anfangs zeigen die betroffenen Tiere nämlich kaum Symptome. So können Sie als Halter Milben auf hellem Untergrund krabbeln sehen oder eine gerade auf dem Wirtstier befindliche Milbe fällt auf.
Im Zeitverlauf und mit Verstärkung des Befalls tritt ein Juckreiz auf, der sich in vermehrtem Kratzen und ersten Kratzwunden äußert. Es treten Hautirritationen auf, die Sie mit etwas Übung im Fell manchmal sogar fühlen können.
Auch das Verhalten ändert sich mit zunehmendem Befall. Die Tiere wirken immer öfter unruhig und gestresst.

Bei starkem Befall werden die Nager durch den massiven Blutentzug und den andauernden Stress sehr geschwächt. Das Fell wird struppig, die Mäuse magern ab, werden anämisch und sind ruhiger als gewöhnlich. Auf der Haut können krustig-schmierige Veränderungen und Kratzwunden, eventuell bakterielle Sekundärinfektionen auftreten. Im schlimmsten Fall können einzelne Nager sogar versterben. Bleiben die Milben lange unbemerkt, sind es diese “plötzlichen” Todesfälle, die auf einen Befall hindeuten können. Spätestens wenn ein zweites Tier unter unklaren Umständen verstirbt, sollten Sie die Nester auf Milben kontrollieren!

Da die Milben auch auf den Menschen übergehen, können Sie auch an sich oder an Familienmitgliedern Symptome beobachten, wenn der Befall schon etwas länger besteht. Der Biss der Milbe verursacht kleine, stark juckende Quaddeln, die unregelmäßig auf der Haut verteilt sind.

Symptome im Überblick
  • krabbelnde Punkte in der Nestumgebung
  • krabbelnde Punkte auf dem Tier
  • Juckreiz -> vermehrtes Kratzen
  • Kratzwunden, z. T. mit Sekundärinfektionen
  • Mattigkeit & Blässe
  • unklarer Gewichtsverlust
  • schlechter Allgemeinzustand
  • plötzliche Todesfälle
Rote Vogelmilbe: Milbenbisse beim Menschen
Massiv juckende Quaddeln nach Bissen von Blutmilben

Diagnose

Haben Sie den Verdacht, dass sich Rattenmilben bei Ihren Mäusen festgesetzt haben, müssen Sie die Milben suchen. Sie finden sie am ehesten in der direkten Umgebung der Tiere. Bei der Suche können Sie auch weißes Küchenkrepp, Taschentücher oder Toilettenpapier als Nistmaterial anbieten. Darauf lassen sich die Milben sehr gut erkennen. Bei einem starken Befall sind die Milben jedoch auch ohne Hilfsmittel nicht mehr zu übersehen. Sie krabbeln auf den Tieren, im Nest und auch an den Gehegewänden herum.

Haben Sie Milben gefunden, kleben Sie diese mit einem Tesafilm-Streifen auf einem Objektträger fest und geben Sie diesen bei Ihrem Tierarzt zur Untersuchung ab. Wenn Sie keinen Objektträger haben, kleben Sie den Tesastreifen mit der Milbe einfach vorsichtig auf die Klebeseite eines zweiten Streifens. Vermeiden Sie es dabei, die Milbe zu zerdrücken. Nicht jeder Tierarzt kann die genaue Milbenart selbst sicher bestimmen. Dann schickt er (meist auf Wunsch) die Probe in ein parasitologisches Institut ein. Daher kann es etwas dauern, bis Sie das genaue Ergebnis der Probe erfahren.

Sie können mit einem einfachen Test den Kreis der verdächtigen Parasiten eingrenzen. Zerdrücken Sie für den Zewatest einige Milben auf einem Stück weißem Zellstoff. Entsteht ein Blutfleck, handelt es sich um eine blutsaugende Milbe. Lässt sich dagegen bei keiner der Milben Blut erkennen, scheiden Rattenmilben mit hoher Sicherheit als Befall aus. Zu 100% sicher ist dieser Test aber nicht, wenn Sie nur wenige und sehr kleine Milben (Nymphen) zur Verfügung haben.

Checkliste Diagnose
  • Milben auf dem Tier oder in der Umgebung finden
  • mit Tesa auf Objektträger oder 2. Tesastreifen fixieren
  • beim Tierarzt bestimmen lassen
  • alternativ: Zewatest
Tropische Rattenmilbe in Tesa
Tropische Rattenmilbe in Tesa

Behandlung - Tropische Rattenmilbe bekämpfen

Ob Sie aus der Diagnose die genaue Art wissen müssen, hängt von der geplanten Bekämpfungsstrategie ab. Bei Vogelmilben sind Resistenzen gegen pyrethroidhaltige Antiparasitika noch deutlich weiter verbreitet als bei Rattenmilben. Erste resistente Stämme der Rattenmilbe sind bei Haltern jedoch schon aufgetaucht (Stand 02/2020), sodass die chemische Bekämpfungsstrategie zunehmend an Bedeutung verlieren wird.
Weniger bzw. völlig unbedeutend ist die genaue Blutmilbenart bei der biologischen bzw. physikalischen Bekämpfung.

Biologische Bekämpfung
  • Raubmilben der Art Hypoaspis miles jagen und fressen die Rattenmilben
  • einfache Anwendung
  • unschädlich für Mensch und Haustiere
  • macht wenig Arbeit und keinen Dreck
  • Anwendung im (besetzten) Gehege möglich
  • bei größeren Flächen recht teuer
  • noch dünne Erkenntnislage über Zuverlässigkeit als alleinige Methode in Wohnräumen
  • dauert je nach Befallsstärke recht lange
  • nicht mit chemischen und/oder physikalischen Methoden kombinierbar
Chemische Bekämpfung
  • Sprays und Fogger mit Pyrethroiden
  • pyrethrumhaltige Mittel
  • einfache Anwendung
  • macht wenig Dreck
  • (noch) recht zuverlässig
  • recht günstig
  • erste restistente Stämme bekannt
  • fisch-, insekten- und gewässerschädlich
  • akkumulationsfähig -> dann auch für höhere Wirbeltiere schädlich
  • keine Anwendung im besetzten oder leeren Gehege oder gar am Tier
  • quasi nicht mehr von saugenden Untergründen zu entfernen
  • nicht mit biologischer Methode kombinierbar
Physikalische Bekämpfung
  • Kieselgur/Microgur (fein vermahlene Schalen fossiler Kieselalgen)
  • Ozon
  • Wärmeentwesung
  • einfache Anwendung
  • unschädlich für Mensch und Haustiere
  • keine Resistenzen möglich
  • bei Kieselgur Anwendung am Tier möglich
  • Kieselgur lässt sich von allen Untergründen wieder entfernen
  • Kieselgur staubt stark -> in Innenräumen vertreilt sich der Staub überall
  • Ozonbehandlung und Wärmeentwesung recht teuer
  • nicht mit biologischer Methode kombinierbar

Wie aufwändig und langwierig die Behandlung eines Rattenmilbenbefalls wird, hängt wesentlich davon ab, wie lange sich die Milben bei Ihnen schon eingenistet haben. Frühzeitig erkannte Befälle beschränken sich meistens auf das Gehege und dessen direkte Umgebung. Nur bei fortgeschrittenem Befall müssen Sie neben den Tieren und deren Gehege auch sich selbst und Ihre Wohnung gründlich entseuchen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie selbst schon an Symptomen des Milbenbefalls leiden. Mobile Haustiere wie Hunde, Katzen oder Frettchen begünstigen die Ausbreitung der Parasiten in der Wohnung.

Behandlung der Nager

Für die Tiere selbst gibt es zwei Behandlungsstrategien: Antiparasitikum als Spot-on oder Kieselgur. Spot-ons sind dabei die gängige Variante. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die klassischen Antiparasitika ein erhöhtes Risiko darstellen oder sogar kontraindiziert sind – etwa bei sehr jungen Tieren, bei Epileptikern, bei bekannten Unverträglichkeiten in einer Zuchtlinie oder wenn die Verräglichkeit der verfügbaren Spot-ons für eine Exotenart nicht bekannt ist. Dann können Sie die Milben auch am Tier selbst mit Kieselgur bekämpfen.

Klassische Behandlung: Spot-on

Behandeln und Warten
Setzen Sie die Mäuse entweder in eine Box oder in die Badewanne und behandeln Sie alle mit einem Spot-on, z.B. Stronghold oder Ivomec. Lassen Sie die Nager etwa 60 bis 120 min in der Box oder Wanne, bevor Sie sie in einen Quarantänekäfig umsiedeln. In dieser Zeit verlässt das Gros Milben den jetzt giftigen Wirt.

Umsetzen
Nehmen Sie die Tiere dann raus und setzen Sie sie in den Quarantänebehälter um. Reinigen Sie Box bzw. Wanne mit kochendem Wasser, wenn Sie die Mäuse umgesiedelt haben.

Nachfassen
Wiederholen
Sie die Behandlung bei Stronghold nach 3 Wochen. Ivomec müssen Sie nach der ersten Gabe im Abstand von 7 Tagen auffrischen. Insgesamt sollten Sie die Tiere je nach Befallsstärke bis zu 2 Monate, jedoch mindestens 4 Wochen gegen die Parasiten mit einem entsprechenden Mittel abschirmen.

Alternative Behandlung: Kieselgur bzw. Microgur

Behandeln und Warten
Setzen Sie die Mäuse entweder in eine Box oder in die Badewanne und pudern Sie sie mit Kieselgur bzw. Microgur ein. Am besten geht das, indem Sie das Puder mit einem Pinsel gegen die Wuchsrichtung ins Fell pinseln. Lassen Sie die Nager etwa 60 bis 120 min in der Box oder Wanne, bevor Sie sie in einen Quarantänekäfig umsiedeln.

Umsetzen
Nehmen Sie die Tiere dann raus und setzen Sie sie in den Quarantänebehälter um. Reinigen Sie Box bzw. Wanne mit kochendem Wasser, wenn Sie die Mäuse umgesiedelt haben.

Nachfassen
Wiederholen
Sie die Behandlung je nach Befallsstärke anfangs alle 1 bis 2 Tage, ab der 2. Woche mindestens 1x wöchentlich. Insgesamt sollten Sie die Tiere je nach Befallsstärke bis zu 2 Monate, jedoch mindestens 4 Wochen gegen die Parasiten abschirmen. Für die Abschirmung geht hier Kiesel- bzw. Microgur am Tier Hand in Hand mit dem Puder im Quarantänebehälter!

WICHTIG: Behandeln Sie die Nager erst, wenn Sie anschließend sofort Gehege und Umgebung reinigen können! Andernfalls vergrößern Sie die Gefahr, dass die Milben von den nun für sie giftigen Wirten abwandern und sich auf der Suche nach neuen Blutquellen recht flott in der Wohnung verteilen.

Der Quarantänekäfig

Der Quarantänekäfig sollte leicht zu reinigen sein und nach Möglichkeit ein Rauskrümeln von Material wie Streu oder Futterresten verhindern. Dunas, Makrolonboxen und Aquarien haben sich hier am besten bewährt. Die können Sie auch problemlos mit doppelseitigem Klebeband abtapen und so ein Auswandern eventuell noch vorhandener Milben auf den Tieren verhindern (soweit die im Kieselgur weit genug kommen). Das Tape verhindert aber auch, dass neue Milben auf Ihre Tiere aus der Umgebung wieder einwandern.
Nutzen Sie als Einstreu am besten Küchenkrepp, Klopapier oder Safebed in Flocken- oder Streifenform. Darauf sieht man nicht nur lebende und tote Milben besonders gut. Sie können es auch am sichersten entsorgen – nämlich (soweit vorhanden) im Ofen verbrennen oder in der Toilette runterspülen.

Farbmaus im Quarantänekäfig
Zellstoff ist für die Quarantäne der beste Untergrund

Wie kriege ich das Gehege wieder sauber?

Entsorgen Sie die gesamte Einstreu und alle Inventarteile, die Sie nicht reinigen oder länger einfrieren können. Verteilen Sie in den Müllsäcken großzügig Kieselgur und geben Sie es auch in die Mülltonne und auf die Säcke. Mit dieser Behandlung vermeiden Sie eine Verschleppung der Parasiten über die Müllabfuhr. Diese Streu gehört nicht in die Biotonne oder auf den Kompost, sondern in den Restmüll!

Das Inventar, das Sie behalten möchten, behandeln Sie sofort nach dem Rausräumen aus dem Gehege. Je nach Material gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Mäusemöbel wieder milbenfrei zu kriegen:

  • gründlichen abschrubben und
  • auskochen
  • mit dem Dampfreiniger gründlich abdampfen
  • bei 70°C min. 30 min ausbacken
  • bei min. -18°C für 2 Wochen einfrieren
  • (Stoffe) bei min. 60°C im Vollwaschgang waschen
  • Ton, Keramik, etc. 2 – 3 min bei 1000 Watt in die Mikrowelle
  • geeignete Materialien im heißesten Gang des Geschirrspülers waschen

Beispiel zum Methodenmix

Verschiedene Methoden kombiniert für Halter und Pflegestellen mit vielen Tieren finden Sie in diesem Erfahrungsbericht zur Behandlung von Rattenmilbe.

Auch beim Gehege selbst haben Sie verschiedene Optionen, es von Milben zu befreien.

Gehegereinigung mit Raubmilben

Diesen Weg können Sie vor allem dann gehen, wenn der Befall noch sehr gering ist. Er empfiehlt sich bei sehr störungsempfindlichen Tieren oder wenn Sie ein Naturgehege nicht komplett neu machen wollen. Nehmen Sie dann nur Inventarteile raus, die Sie reinigen wollen und verfahren Sie nach einem oder mehreren der obigen Reinigungsprozedere.

Die ausgesetzten Raubmilben suchen im, am und um das Gehege aktiv die Rattenmilben und können ihnen dabei bis in die letzte Ritze folgen. Dabei frisst jede Raubmilbe etwa 5 Blutmilben pro Tag. Daher kann die Bekämpfung abhängig von der Befallsstärke einige Wochen länger dauern als mit anderen Methoden.

Dafür können Sie Substrat, Einrichtung und Bewohner im Gehege belassen und das Bodenbiom wird zumindest nicht vollständig zerstört. Es handelt sich also um eine schonende und wenig aufwändige Art der Milbenbekämpfung.

Milbenbekämpfung mit Sprays

Wenn Sie sich für pyrethroid- oder pyrethrinhaltige Sprays wie (blaues) Ardap oder Indorex entscheiden, sollten Sie Folgendes beachten:

Sprühen Sie niemals in die Gehege, sondern nur auf geschlossene Außenflächen (z.B. die Rückwand). Diese Sprays versprechen eine Wirkzeit von mindestens 6 Wochen. Die Praxis hat jedoch eine Wirkung von bis zu 6 Monaten und mehr gezeigt. Zudem akkumuliert sich der Wirkstoff, da er in Innenräumen durch die fehlende UV-Strahlung langsamer zerfällt. So ist er nicht 6 Wochen, sondern durchschnittlich 1 bis 2 Jahre, in Einzelfällen deutlich länger in Innenräumen nachweisbar. Zudem nehmen alle saugenden Oberflächen – also auch nicht oder ungenügend versiegeltes Holz – die Stoffe auf und geben sie nach und nach wieder ab.

Für das Gehegeinnere müssen Sie also eine andere Lösung finden, die von „heiß auswaschen“ bis Dampfreiniger und Kieselgur reichen kann.

Mit Kieselgur und Dampfreiniger

Mit der Kombination aus Dampfreiniger und Kieselgur bzw. Microgur verzichten Sie auf Toxine, um das Gehege innen und außen gründlich zu entmilben. Gehen Sie dafür mit dem heißen Dampfstrahl langsam (!) und gründlich über jede Fläche und prühen Sie besonders sorgfältig Winkel, Ecken und Ritzen aus. Mit dieser Behandlung werden die Milben quasi gekocht.
Um ein erneutes Einwandern von Milben aus der Umgebung zu verhindern oder evtl. noch vorhandene Milben abzutöten, kommen anschließend Microgur oder Kieselgur zum Einsatz. Was Sie benutzen, ist vor allem eine Geldfrage. Zuverlässig sind beide. Das puverförmige Kieselgur staubt allerdings stark. Microgur gibt es auch als flüssiges Spray. Das ist zwar teurer, staubt aber nicht beim Verteilen und haftet noch besser an Decken und senkrechten Flächen.
Wenn Sie das Gehege nicht anheben und/oder verschieben können, können Sie mit dem Gur auch Milbensperren schaffen, indem Sie rund um die Bodenfläche sprühen bzw. die Wände so behandeln, dass die Milben in jedem Fall irgendwann auf eine Barriere treffen.

Rattenmilben in der Wohnung bekämpfen

Die Umgebungsbehandlung ist umso aufwändiger, je mehr Zeit die Parasiten hatten, sich zu verbreiten. Bemerken Sie den Befall noch in einem recht „frischen“ Stadium und hatten die Milben keine „Taxis“ wie Hunde oder Katzen, reicht meist die Behandlung der näheren Umgebung.
Hier genügt es oft schon, etwa 1 bis 1,5m um das befallene Gehege alle Oberflächen mit Kieselgur oder Microgur (oder einem pyrethroidhaltigen Spray) abzudecken. Das entsprechende Mittel sollte mindestens für den gesamten Quarantänezeitraum auf den Oberflächen verbleiben.

Je weiter der Befall fortgeschritten ist, umso eher müssen Sie den ganzen Raum, eventuell sogar die ganze Wohnung behandeln. Dafür haben Sie die folgenden Optionen:

Spray/Fogger

Entfernen Sie für die Behandlung alle Tiere aus den zu behandelnden Räumen und stellen Sie einen pyrethroidhaltigen Vernebler, den sogenannten Fogger, (z.B. von Indorex oder Beaphar) auf. Danach sollten Sie die Räume mindestens 6 bis 12 Stunden lüften. Putzen Sie in den behandelten Räumen bis zum Quarantäneende nicht! Bringen Sie frühestens nach 48 Stunden wieder Tiere in die behandelten Räume, da die Fogger sehr giftig sind. Der Vernebler verregnet nur feinsten Staub von oben. Daher müssen Sie zusätzlich mit einem Spray unter Möbelstücke und in Ritzen sprühen, um sicherzugehen, dass alle Stellen im Raum behandelt wurden.
Klarer Nachteil: Den Wirkstoff bekommen Sie von saugfähigen Oberflächen wie Stoffen, Polstern oder Holz nicht wieder komplett runter. Er verbleibt mitunter Jahre im Raum, kann über den Hausstaub dann auch eingeatmet werden und bei empfindlichen Personen gesundheitliche Probleme verursachen.

Kieselgur/Microgur

Die Behandlung ganzer Räume oder gar der Wohnung mit Kieselgur bzw. Microgur ist ungiftig, aber aufwändig und am Quarantäneende von einer eindrucksvollen Putzkampagne gefolgt.

Wenn Sie das Verhalten des Parasiten richtig verstehen und entsprechend (be)handeln, ist diese Methode recht zuverlässig. Sie zielt vor allem auf die Hotspots der Milben in der Wohnung ab, also Schlafstätten von Mensch und Tier sowie Sofas und andere Bereiche, wo Sie sich häufig und länger aufhalten. Sie müssen also nicht jeden Quadratzentimeter der Wohnung mit weißem Puder überziehen.

Beim Bett können Sie die Bekämpfung auch mit milbendichten Encasings für Matratze und Bettwäsche überziehen. Die gibt es in Handel für Hausstauballergiker zu kaufen.

Ozon

Bei der Ozonbehandlung wird in den zu behandelnden Räumen ein Generator aufgestellt, der O³ erzeugt. Da dieses Gas sehr aggressiv ist, müssen Sie alle Tiere und Pflanzen vorher aus dem Raum entfernen. Dafür können Sie das befallene Gehege unausgeräumt im Raum stehen lassen.
Im Idealfall wird die Behandlung bei stärkeren Befällen mehrmals wiederholt. Nach der Behandlung baut sich das Ozon rückstandslos wieder ab. Sie können die Räume nach gründlichem Lüften (min. 30min) also wieder nutzen.

Es gibt Kammerjäger, die diese Behandlung anbieten. Sie können aber auch Ihren Tierarzt fragen, ob er ein Ozongerät verleiht – oder sich selbst eines kaufen. Beachten Sie beim Kauf allerdings: Nicht jedes Modell ist zu Bekämpfung von Milben geeignet. Viele sind auch nur dafür gedacht, unangenehme Gerüche aus den Räumen zu entfernen.

Wärmeentwesung

Bei der Wärmeentwesung wird die gesamte Wohnung auf über 60°C aufgeheizt. Da Proteine bereits bei 42°C beginnen zu denaturieren, zerstört dies auch die Milben. Für diese Behandlung müssen Sie sämtliche Tiere und Pflanzen aus der Wohnung entfernen. Das unbehandelte Gehege können Sie wie beim Ozon in der Wohnung belassen.

Dieses recht teure Verfahren wird von verschiedenen Kammerjägern angeboten und lohnt sich erst dann, wenn die Milben wirklich hartnäckig sind und längere Zeit hatten, um sich in der Wohnung festzusetzen.

In der Regel reicht dafür hier eine einmalige Behandlung und Sie können die Räume direkt nach der Behandlung wieder nutzen. Da keine Chemikalien genutzt werden, können auch keine giftigen Rückstände bleiben. Auch müssen Sie nicht extra nachputzen.

WICHTIG: Während Sie Nager, Gehege und Wohnung behandeln, müssen Sie auch alle weiteren Haustiere mit einem Spot-on schützen. Andernfalls können diese einzelne Milben mit sich tragen und je nach Behandlungsweise den Erfolg der Milbenbekämpfung sabotieren und/oder die Milben in bisher saubere Wohnungsbereiche verschleppen.

Eingangsquarantäne bei Rattenmilbe

Viele Halter, aber auch Pflegestellen scheuen sich, Mäuse oder andere Nager mit bekanntem Befall oder aus Haushalten mit Verdacht auf Rattenmilbe aufzunehmen. Ist der Befall (bzw. der Verdacht darauf) jedoch bekannt, können Sie sehr effektiv einer Verschleppung in Ihren Haushalt vorbauen. Das Prozedere ist zwar etwas aufwändiger als bei manch anderem Parasiten, dafür aber sehr zuverlässig.

Vorbereiten vor Ort und Übernahme aus dem alten Haushalt
Behandeln Sie die Tiere noch vor Ort (z.B. im Tierheim oder bei einer Räumung in den Räumen) mit einem Spot-on. Warten Sie mindestens 60 – 120 Minuten und setzen Sie die Mäuse nach der Behandlung in eine frische Transportbox (ideal: Faunaboxen, Dunas oder Makrolons) um. Wenn Sie die Zeit haben, lassen Sie die Nager spotten und holen Sie sie erst am Folgetag ab.
Können Tiere aus irgendeinem Grund nicht gespottet werden, sollten sie 24 Stunden vor Abholung mehrmals mit Kieselgur gepudert und jedes Mal frisch umgesetzt werden. Der Behälter sollte dann mit Wasserbad oder doppelseitigem Klebeband gegen einwandernde Milben abgeschirmt werden.
Die Box selbst präparieren Sie am Boden mit einer Schicht Kieselgur. Darüber geben Sie frische, nicht kontaminierte Streu, Safebed oder Zellstoff. Außen fassen Sie die Box lückenlos (!) mit doppelseitigem Klebeband ein.

Quarantänebehälter
Im neuen Heim sollten die Tiere die Quarantäne in einer Makrolonbox, einem Aquarium oder einer Duna verbringen. Diesen Behälter sollten Sie ebenfalls von außen abkleben.
Gefüllt wird das Quarantänegehege am Boden wieder mit Kieselgur, auf das Sie eine beliebige trockene und für Sie sauber und leicht zu entsorgende Streu geben.
Stellen Sie den  Quarantänebehälter auf einen ca. 50 cm breiten Ring Kiesel- oder Microgur auf den Untergrund. Wenn es Ihren Nerven gut tut, schließen Sie diesen “Ring” mit einem Rahmen aus doppelseitigem Klebeband ab.

Quarantäneverlauf
Behandeln Sie die Nager wie oben beschrieben mit dem Antiparasitikum Ihrer Wahl weiter (jeweiligen Turnus beachten!) und reinigen Sie alle 5 – 7 Tage den Quarantänekäfig. Die Schicht Kieselgur unter der jeweiligen Streu gilt für die gesamte Quarantänezeit von 4 Wochen.
Wenn Sie Ihre Mäuse oder Exoten nicht spotten, sondern mit Kieselgur pudern, sollten Sie nach Aufnahme je nach Befallsstärke und noch vorhandener Milben alle 3 – 5 Tage pudern und in diesem Takt die Quarantänebox frisch machen. Diese Abstände können Sie mit fortschreitender Quarantänezeit vergrößern, um die Tiere nicht mehr zu stressen, als nötig.

Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

diebrain.de
Publikation der Stadt Zürich zur Vogelmilbe
Schneckenprofi – Raubmilben

A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster Ratte, Maus und Rennmaus, Enke-Verlag 2008
W. Beck, N. Pantchev: Praktische Parasitologie bei Heimtieren – Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Bienen, Zoo- und Wildtiere, Schlütersche Verlagsgesellschaft 2014
Schwabe, R.; Becker, K.; Class, T. et al.: Wabolu-Hefte –  Pyrethroide im Hausstaub, Ausgabe 3/1994, S. 95ff.

Urhebernachweis Fremdmedien

Video “Tropische Rattenmilbe”: Katharina Thalmann
Mikroskopbilder und Milbe in Tesa: Jennifer Mayer

Letztes Update: 14.02.2020